Schuh und ich: Nach-Denken über Haben und Sein

Mischa Häberli
Sa Mrz 03 2018

Episode 1

„Thinking out of the box“ mit Mischa Häberli, unserem Gastphilosophen.

Endlich! Ich trete heraus aus dem Ladenlokal und befinde mich wieder zurück auf dem Gehweg, in meiner Hand die Einkaufstasche mit meinen soeben neu erstandenen Schuhen. Nun kann ich es kaum erwarten, das erste Mal mein neu sich in meinem Besitz befindendes Schuhwerk auszuführen. Natürlich funktioniert dieses Szenario auch mit dem heutzutage genauso üblichen Online-Einkauf. Sobald ich auf den Knopf „Bezahlung bestätigen gedrückt habe, machen sich die gleichen Gefühle bemerkbar. Das Paket, welches mir bald per Post geliefert wird, verhält sich analog zur Schuhschachtel in der Einkaufstasche, als Vorbote eines Glücksmoments nämlich.

Doch was ist da eigentlich genau passiert? Und wozu das überhaupt?

Warum habe ich meine Schuhe im Laden einpacken lassen und nicht gleich geschnürt? Was hat mich beeinflusst, gerade dieses Paar Schuhe zu wählen und nicht eines der anderen Treter, die ich mir als Auswahl aus den Regalen holen liess? Hat mich das Design überzeugt oder war der Preis ausschlaggebend?

Letztere Fragen sind eher pragmatischer Natur und sprechen scheinbar einfache Problemstellungen an. Doch sie sind eben nur scheinbar einfach. In dieser sich fortsetzenden VoVoLog-Serie wollen wir grundlegende Fragen in unseren Fokus nehmen. Denn über die Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen werden sich auch Antworten zu pragmatischen Fragen finden lassen. Dementsprechend werden wir uns mit folgenden Hauptfragen beschäftigen:

-Ist mein Schuh ein Teil von mir?

-Welches sind die Hauptprotagonisten im Schuhuniversum? Schuh, Ich und Du! Doch in welchen Beziehungen stehen diese drei zueinander?

-Welchen Sinn finden wir im Sichaneignen und Gebrauch von Dingen, insbesondere von Schuhen?

-Ist Besitz Haben oder Sein?

Versuchen wir zum Abschluss dieses ersten Beitrags eine Antwort auf die oben gestellte Frage des „Wozu das überhaupt? zu formulieren:

Wir Menschen streben alle nach Sicherheit und Anerkennung und – wie schon Aristoteles vor rund 2500 Jahren sagte – letztendlich nach Glück? Gehen wir davon aus – und diese Hoffnung hege ich ganz vehement – dass gewisse Aspekte eines gelungenen Einkaufs Sicherheit bringen können. Solcherart dazu gewonnene Sicherheit bestätigt und befreit. Freiheit ermöglicht und Anerkennung stützt Individualität und sowohl lebbare, wie auch erlebbare Individualität macht glücklich! Konsum kann somit ein Weg zu mehr als nur momentanem Glück bedeuten!

Natürlich bleibt dies bloss eine Behauptung, solange wir nicht Beweise oder zumindest Belege liefern. Genau damit wollen wir uns in den folgenden VoVoLogs beschäftigen.

Bis zum nächsten Mal.

Euer Mischa

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