Quarantäne des Konsums: Unser Weg aus der Krise

Die Coronakrise hat auch die Modebranche durchgeschüttelt. Die Krise löst bei fast allen Menschen Unsicherheit oder Angst ein. Pessimismus über die wirtschaftliche Entwicklung ist bei Verbraucherinnen und Verbrauchern weit verbreitet. Laut einer Analyse von McKinsey sind die Umsätze in der globalen Bekleidungs- und Schuhindustrie im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent geschrumpft. Ein Ausgabenstopp hat die Krise auf der Angebotsseite verschlimmert. Die weit verbreitete Schliessung von Geschäften in einer Branche, die auf offline-Kanäle angewiesen ist, gepaart mit dem Instinkt von Konsumentinnen und Konsumenten, Notwendigem den Vorzug vor verzichtbaren Gütern zu geben, hat die Gewinnspannen der Marken beeinträchtigt und die Liquidität aufgebraucht. Selbst online-Verkäufe sind in Europa um 5 bis 20 Prozent und in den Vereinigten Staaten um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen (1).

Am erfolgreichsten aus der Krise hervorgehen werden wie immer diejenigen Unternehmen, welche die aktuellen Trends am besten erfassen und umsetzen. Dazu zählt gemäss McKinsey die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette. So sollen Kundinnen und Kunden vermehrt Unternehmen bevorzugen, die ihre Arbeitnehmenden und die Umwelt mit Respekt behandeln. Kundinnen und Kunden beurteilen Brands auf der Basis von Vertrauen – ein Trend, den die Pandemie verstärkt hat. Die Krise hat Themen wie Herkunft der Ware, übermässiger Konsum und unverantwortliche Geschäftspraktiken in den Fokus gerückt (1). War noch im April die grösste Sorge von Konsumentinnen und Konsumenten die Pandemie (44%), so war es im dritten Quartal bereits wieder der Klimaschutz. 55% der Schweizer wollen zukünftig weniger – dafür vermehrt – in kleinen Läden einkaufen; 32% gaben sogar an grosse Einkaufszentren zu meiden. Weltweit sind es 82% der Konsumenten und Konsumentinnen die wegen Covid-19 ihr Einkaufsverhalten langfristig verändern wollen (2).

Die Pandemie und die daraus resultierende „Quarantäne des Konsums“ könnten die Entwicklung Richtung Nachhaltigkeit beschleunigen.

z.B durch Zunehmende Abneigung gegen abfall-verursachende Geschäftsmodelle oder die Erwartung von zweckorientiertem, nachhaltigem Handeln (3).

Für Cervo Volante sind dies Good News, denn Nachhaltigkeit ist für uns kein neuer Trend, sondern Ausgangspunkt sämtlicher Überlegungen. Wir produzieren wo immer möglich in der Schweiz, verzichten auf lange Transportwege bei Rohstoffen und Produzenten, achten bei sämtlichen Materialien und Herstellungsschritten auf maximale Umweltverträglichkeit und wir suchen stets nach neuen, nachhaltigeren Lösungen – Gemeinsam mit unseren Produktionspartnern.

« Wir lieben die Natur und möchten, dass unsere Kinder die Natur genauso schön und intakt vorfinden wie wir.»

KAdri und Conny, Mitgründerinnen von Cervo Volante
Mit dem Weekender Viadi unterwegs über den Furkapass im Kanton Wallis. Der Rhonegletscher hat sich durch die globale Erwärmung seit Messbeginn um über 2 km zurückgezogen, und dürfte in 80 Jahren verschwunden sein. Höchste Zeit auch durch unser Konsumverhalten Sorge zur Umwelt zu tragen.

Trotzdem war auch für uns dieses Jahr nicht leicht. Es kam viel Unerwartetes auf unser kleines Team zu. Wie die gesamte Branche hatten wir mit Produktionsstopps, unterbrochenen Lieferwegen, Produktionsverzögerungen und geschlossenem Laden zu kämpfen.

Um die Krise zu bewältigen haben wir unseren Onlineauftritt und das digitale Marketing ausgebaut und konnten dadurch unsere Kundinnen und Kunden trotz Ladenschliessung bedienen. Für einige unserer Kundinnen und Kunden wurde der online Einkauf zu einer neuen Erfahrung. Wir sind sehr froh, dass uns viele Kunden auf diesem Weg Richtung digitalem Einkaufserlebnis begleitet haben, und uns auch im Lockdown treu geblieben sind. Wir lieben es Kundinnen und Kunden im «echten» Laden zu bedienen, mit Lederduft, Lederhaptik und guten Gesprächen. Die Pandemie erforderte ein rasches Umstellen und Umdenken und neue Wege zu erfahren. Wir bleiben dran…

Zu Beginn der Pandemie haben wir zudem Neuentwicklungen auf den Markt gebracht:

– Die Hirschleder-Sneaker ALBIS und SARGANS zählen zu den ökologischsten Sneakern auf dem Markt. Wir haben bei Machhart und Bestandteilen nach der nachhaltigsten Lösung gesucht, um den ökologischen Fussabdruck zu minimieren.

– Die Desert-Boots NATURALA und DESERT sowie die Espadrilles SULVADI sind unsere ersten Modelle aus Velours-Hirschleder. Dank dem umgekehrten Einsatz des Leders (Narbenseite innen) können wir unser Restleder besser verwerten.

Und zu guter Letzt haben wir unseren Laden in einen Conceptstore – Cervo Stories umgestaltet um Ressourcen zu schonen und Synergien bei den Marketingaktivitäten zu nutzen. Alle Partnermarken tragen dieselbe Philosophie und sprechen ein ähnliches Kundensegment an, ergänzen aber unser Angebot komplementär. Dadurch erhöhen wir gegenseitig unsere Sichtbarkeit unter unseren Kunden und können Marketingaktivitäten effizienter gestalten und umsetzen.

Kein Unternehmen wird es allein durch die Pandemie schaffen

wir brauchen Freunde und PartnerSCHAFTEN.

Das Nachspiel der Pandemie ist noch nicht absehbar. Gemeinsam mit unseren Kunden, Mitarbeiterinnen, Partnern, Investorinnen und Unterstützern werden wir die vor uns liegenden turbulenten Zeiten meistern.

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Titelbild: Schuhleisten in einer Leistenfabrik in Italien – 6 neue Schuhmodelle bringen grosse Modemarken jedes Jahr auf den Markt. Benötigen wir wirklich so viele?

Referenzen:
(1) The State of Fashion 2021: In search of promise in the perilous times, McKinsey, Dez. 1, 2020
(2) Swiss Council 2020, N. Schwaller, textilrevue.ch, 16.11.2020
(3) It’s time to rewire the fashion system: State of Fashion coronavirus update, BOF und McKinsey, 2020

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